TFB AG
Technik und Forschung im Betonbau

Schadstoffe in Gebäuden

Schadstoffe in Gebäuden

In Gebäuden können zahlreiche Schadstoffe vorgefunden werden, in Feststoffen, in der Innenraumluft und im Wasser. Auch können Schadstoffe in Böden vorgefunden werden, was relevant sein kann, wenn z.B. Boden ausgehoben wird.

Das Bild rechts zeigt typische Schadstoffvorkommen in Gebäuden mit Baujahr vor 1991.

Unten, eine Übersicht über mögliche Schadstoffe:

Asbest

Asbest ist ein Sammelbegriff für Silikat-Mineral der Serpentin- und der Amphibolgruppe. Ein bekanntes Mineral ist z.B. Chrysotil. Asbest war eine Art Wunderstoff dank grosser Festigkeit, Hitzebeständigkeit, geringer Leitfähigkeit und der Möglichkeit gewoben zu werden. Es wurde in diversesten Baustoffen verwendet, zum Beispiel als Brandschutz oder zur Änderung des Fliessverhaltens von Plattenklebern. Asbestanwendungen wurden in der Schweiz spätestens 1991 verboten, dennoch wurden teilweise Restbestände im Baugewerbe noch Jahre später verbaut. Auch können importierte Produkte Asbest aufweisen.

Man unterscheided festgebundene Formen (Dichte >1400 kg/m3) und schwachgebundene Formen (Dichte <1000 kg/m3), welche in verschiedenen Produkten vorgefunden werden können. Beispiele:

Festgebunden

  • Faserzement (Blumenkisten, Fassadenplatten, Dachplatten)
  • Verglasungskitt und Anschlagkitt (Türen und Fenster)
  • Fliesenkleber (Fugen- und Klebemörtel)
  • Farbe und Putz (Deckputz, Grundputz)
  • Rohrleitungen
  • Teerhaltige Kleber
  • Holzzementböden

Schwachgebunden

  • Leichte asbesthaltige Platten, LAP (Brandschutz)
  • Bodenbeläge (PVC, Floor Flex)
  • Akustikplatten
  • Dichtungsschnüre und -kissen (z.B. in Öfen)
  • Rohrisolation (Mörtel)
  • Spritzasbest

Grenz-, Richt- und Zielwerte (LAF: Lungengängige Asbestfasern)

  • MAK-Wert BAG 2005: 10000 LAF/m3
  • Richtwert BAG 2005: 1000 LAF/m3
  • Zielwert eco-bau: 300 LAF/m3

Polludoc über Asbest

Hinauf zum Inhalt

CP

Bei Chlorparaffinen (CP) handelt es sich um Mischungen aus polychlorierten Alkanen, kurzkettigen mit 10-13 C-Atomen, mittelkettigen (14-17 C) und langkettingen (18-30 C). Nebst Persistenz in der Umwelt, sind die CPs bioakkumulativ, toxisch und krebserregend. Besonders problematisch sind kurzkettige CPs. CPs finden als Weichmacher und Flammschutzmittel Verwendung und wurden nach dem Verbot von PCBs vermehrt in Fugendichtungsmassen eingesetzt. Sie kommen auch in Montageschäumen und Farben vor.

Richt- und Grenzwerte

  • Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung 2019: max. CP-Gehalt in Stoffen 0.15 %
  • Vorgängige Entfernungspflicht von Fugendichtungsmassen: bei >10000 mg CP-Chlor/kg
  • MAK-Wert (Deutschland): 6 mg/m3

Chemikalien-Risikoreduktions-Verordnung
Polludoc über CPs

Hinauf zum Inhalt

FCKW / HFCKW / FKW

Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW), teilweise halogenierte Fluorchlorkohlenwasserstoffe (HFCKW) sowie Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) sind ozon- und klimaschädliche Treib- und Kähltemittel. FCKWs wurden in Bauschäumen (vor allem Polyurethan, PUR) bis ca. 2004 als Treibmittel gebraucht. FCKW, HFCKW und FKW-haltige Kältemittel wurden nach und nach zwischen 1994-2015 verboten.

BAFU: Anlagen mit Kältemitteln

Hinauf zum Inhalt

Feinstaub

Feinpartikel (Particulate Matter) sind feine Partikel in der Luft, meist kleiner als 15 µm. Diese kleine Grösse erlaubt ihnen tief in die Lunge einzutreten und von dort in die Lymph- und Blutbahnen zu gelangen. So können diverse, die Staubpartikel bildende bzw. daran haftende Schadstoffe von Lebewesen aufgenommen werden.

Die Partikel lassen sich nach ihrer Entstehung in primäre und sekundäre Parikel einteilen. Primär: Verbrennungsprozesse, mechanischen Abrieb oder Aufwirbelung. Sekundär: Bildung aus gasförmigen Vorläufern (z.B. NOx und SO2). Die Partikel werden auch gemäss ihrem Durchmesser in PM2.5 (kleiner gleich 2.5 µm) und PM10 (kleiner gleich 10 µm) eingeteilt.

Zielwert

  • Luftreinhalteverordnung PM2.5 2018: 10 µg/m3 Jahresmittelwert
  • Luftreinhalteverordnung PM10 2016: 20 µg/m3 Jahresmittelwert
  • Luftreinhalteverordnung PM10 2016: 50 µg/m3 24-h-Mittelwert

BAFU-Webseite: Feinstaub
BAG-Webseite: Schadstoffe im Gebäudeinneren
California Air Resources Board: Feinstaub (Englisch)
Schweizerischer Verein für Luft- und Wasserhygiene: Luftqualität

Hinauf zum Inhalt

Formaldehyd

Es gibt zahlreiche natürliche und künstliche Aldehyde, von welchen vor allem die kleineren volatil sind. Für die Gebäudeschadstoffe relevant ist vor allem Formaldehyd. Verwendet wird es für die Herstellung von Farben, Medikamenten, Textilprodukten und Klebstoffen. Während Holz natürlicherweise Formaldehyd absondert, können in Gebäuden Konzentrationen künstlich erhöht werden. Gründe dafür sind Zigarettenrauch und Formaldehyd in Klebharzen von Holzprodukten wie Spanplatten, Sperrholz oder Faserplatten vor.

Konzentrationsabhängige Wirkung von Formaldehyd

  • 0.05-0.18 ppm: Geruchsschwelle
  • 1 ppm: Reizung von Nase/Rachen
  • 4-5 ppm: Tränenreiz, Brennen in Nase/Rachen
  • 10-20 ppm: Starker Tränenfluss, Atembeschwerden, starker Husten, starkes Brennen in Nase/Rachen
  • 50-100 ppm: Kopfschmerzen, Herzklopfen, Augen- und Lungenschädigung

Ziel- und Richtwerte

  • BAG Richtwert Wohn- und Aufenthaltsräumen: 0.1 ppm (125 µg/m3)
  • Zielwert Minergie-Eco 2016: 60 µg/m3

BAG-Webseite zu Formaldehyd
LANUV: Formaldehyd Wirkungen beim Menschen
ecobau: Formaldehyd

Hinauf zum Inhalt

Holzschutzmittel

Diverse Stoffe wurden zum Schutz von Holz im Aussenbereich sowie in Scheunen, Ställen und Dachstöcken eingesetzt. Organische Holzschutzmittel waren vor allem in den 1950-70er Jahren eingesetzt, teilweise bis 1990. Viele der Stoffe sind persistente organische Verbindungen, reichern sich in Lebewesen an und können Krebs auslösen. Holzschutzmittel werden laufend aus dem behandelten Holz abgegeben und reichern sich im Hausstaub an. Chlorhaltige Pestizide können auch zu einer lästigen Luftbelastung führen durch die Abgabe von Chloranisolen, welche einen typischen "muffigen" Geruch verursachen.

Relevante Holzschutzmittel

  • Pentachlorphenol (PCP, C6HCl5O)
  • Hexachlorcyclohexan (HCH, Lindan, C6H6Cl6)
  • Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT, C14H9Cl5)
  • Chlorthalonil (C8Cl4N2)
  • Chlordan (C10H6Cl8)
  • Teeröle mit diversen PAK Substanzen
  • PCBs
  • Schwermetalle: As, Cr, Cu, Hg, Zn

Richt-, Vorsorge-, Ziel- und Eingreifwerte

  • Deutschland
    • PCP Vorsorgewert Bundesgesundheitsamt 1997: 1 µg/m3 Luft
    • In Trockensubstanz (in erster Linie Boden/Sediment)
      • PCP - Zielwert 0.002 mg/kg - Eingreifwert 5 mg/kg
      • Lindan - Zielwert 0.05 µg/kg - Eingreifwert 2 mg/kg
      • DDT - Zielwert 0.0025 mg/kg - Eingreifwert 4 mg/kg
      • PCB - Zielwert 0.02 mg/kg - Eingreifwert 1 mg/kg
      • PAK - Zielwert 1 mg/kg - Eingreifwert 40 mg/kg
  • PCP Eingriffswert eco-bau 2013: 4 µg/m3 Luft
  • PCP MAK-Wert: Eingeatmeter Staub 50 µg/m3; Luft 5 ml/m3
  • Lindan MAK-Wert: Eingeatmeter Staub 0.1 mg/m3
  • DDT MAK-Wert: Eingeatmeter Staub 1 mg/m3
  • Chlordan MAK-Wert: Eingeatmeter Staub 0.5 mg/m3
  • Richtwerte VVEA Holzverwertung (in mg/kg TS): As 2, Pb 30, Cd 2, Cr 30, Cu 20, Hg 0.4, Cl 600, F 100, Zn 400, PCP 3, PCB 3, PAK 25

sfholzbau.ch: Übersicht orgnische Holzschutzmittel
Allum-Artikel zu PCP
Umweltpraxis-Artikel zu PCP
BAFU-Artikel Holzabfälle
SUVA: MAK- und BAT-Werte
Umweltbundesamt (DE): Ziel- und Eingreifwerte Altlasten
AGÖF (DE): Luftbelastung durch Chloranisole
Fledermausschutz und Holzschutzmittel

Hinauf zum Inhalt

Invasive Neophyten

Neophyten sind gebietsfremde Pflanzen, welche seit 1492 absichtlich oder unabsichtlich eingeführt wurden. Dazu zählen in der Schweiz ca. 550 Pflanzenarten. Invasive Pflanzen breiten sich stark aus und verdrängen die einheimische Flora. Dabei können sie auch die Gesundheit oder die Stabilität von Verbauungen beeinträchtigen. 58 der Neophyten (ca. 11%) in der Schweiz gelten als problematisch und sind auf der Schwarzen Liste eingetragen. 17 davon unterliegen der Freisetzungs-Verordnung.

Verbotene Arten gemäss der Freisetzungs-Verordnung FrSV

  • Aufrechtes Traubenkraut (Ambrosia artemisiifolia)
  • Bastard-Staudenknöterich (Reynoutria ×bohemica)
  • Drüsiges Springkraut (Impatiens glandulifera)
  • Essigbaum (Rhus typhina)
  • Flutendes Heusenkraut (Ludwigia peploides)
  • Grossblütiges Heusenkraut (Ludwigia grandiflora)
  • Grosser Wassernabel (Hydrocotyle ranunculoides)
  • Hain-Goldrute (Solidago nemoralis)
  • Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica)
  • Kanadische Goldrute (Solidago canadensis)
  • Nadelkraut (Crassula helmsii)
  • Nuttalls (oder schmalblättrige) Wasserpest (Elodea nuttallii)
  • Riesen-Goldrute (auch spätblühende Goldrute) (Solidago gigantea)
  • Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)
  • Sachalin-Staudenknöterich (Reynoutria sachalinensis)
  • Schmalblättriges Greiskraut (Senecio inaequidens)
  • Vieljähriger (oder Himalaja) Knöterich (Polygonum polystachyum)

Invasive Neophyten und mögliche Ersatzarten (Kt. ZH)
Schwarze Liste (Info Flora)
Neophyt.ch: Schnellübersicht mit Bildern

Hinauf zum Inhalt

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung (Alpha-, Beta- und Gammastrahlung) wird bei radioaktiven Zerfällen freigesetzt. Solche Stahlung im Gebäudebereichen kann von radioaktiven Stoffen in Schlacken (Boden- und Wandfüllungen) oder Fliesen mit Uranglasur abgegeben werden. Ebenfalls kommen radioaktive Stoffe in alten Brandmeldern (meist Am-241) oder Blitzableitern (meist Ra-226, Am-241) vor. Gefahr geht auch von Resten von Leuchtfarben der Uhrenindustrie (Ra-226, Ra-228, Ac-228, Th-228, Pm-145, Sr-90, H-3) aus oder von Produkten, welche diese Leuchtfarben tragen (Kompasse, Uhren, Waffen). Solche Produkte sind z.T. noch bis in die 1990er Jahre mit radioaktiven Farben versehen worden. Natürliche Mineralsammlungen, welche uranhaltige Mineralien enthalten könnten ebenfalls bei Unwissenheit gesundheitsschädlich werden. In schlecht durchlüfteten Räumen geht auch eine gewisse Gefahr von Radon aus.

Richtwerte

  • Strahlenschutzverordnung Uran-238: 1 Bq/m3

Strahlenschutzverordnung StSV

Hinauf zum Inhalt

Kohlenwasserstoffe

Mit Kohlenwasserstoffen im Baubereich bezieht man sich hauptsächlich auf die aliphatischen Kohlenwasserstoffe, also verzweigte, unverzweigte, ketten- oder ringförmige Kohlenwasserstoffketten. Diese sind nichtpolar. Für die Gebäudeschadstoffe relevant sind Kettenlängen von 10-40 Atomen. Als Beispiel zu nennen sind die Alkane (auch Paraffine), einfache Kohlenwasserstoffe diverser Längen ohne Doppelbindungen. Belastungen mit Kohlenwasserstoffen können Auftreten, wenn z.B. Mineralöle austreten durch Lecks in Tanks. Aliphatische Kohlenwasserstoffe sind in der Regel nicht akut gefährlich. Allerdings können bei Langzeiteinwirkung, z.B. durch flüchtige Substanzen wie Hexan und anderen VOCs, gesundheitliche Schäden, wie Schleimhautreizungen und Allergien entstehen.

Hinauf zum Inhalt

Künstliche Mineralfasern

Künstliche Mineralfasern (KMF) sind anorganische Fasern, wie Steinwolle, Glaswolle oder Keramikwolle. Als biologisch relevante Fasern werden Partikel angesehen, welche ein grösseres Länge-zu-Durchmesser-Verhältnis haben, eine Länge von mehr als 5 μm und einen Durchmesser von weniger als 3 μm aufweisen. Nebst Geometrie spielt auch die chemische Zusammensetzung bei der Beurteilung der gesundheitlichen Gefährdung eine Rolle. Bei mehr als 18% Anteil an Alkali- und Erdalkalimetalloxiden (Na2O, K2O, CaO, MgO, BaO) werden die Fasern als krebserzeugende Stoffe C2 eingestuft. Stein- und Glaswolle in der Schweiz fallen trotz hohen K- und Mg-Anteilen nicht in diese Kategorie. Dafür sind Keramikfasern (Aluminiumsilikat) als krebserzeugende Stoffe Klasse C1B anzusehen.

Grenzwerte

  • SUVA MAK-Wert Glaswolle, Steinwolle: 0.5 Fasern/ml
  • SUVA MAK-Wert übrige Fasern, Kaliumtitanat, Keramik: 0.25 Fasern/ml

Künstliche Mineralfasern (Österreich)
SUVA: MAK- und BAT-Werte
sanierer.de: Materialeigenschaften mineralischer Dämmstoffe
energie.ch: Materialeigenschaften mineralischer Dämmstoffe

Hinauf zum Inhalt

Legionellen

Bei Legionellen handelt es sich um Bakterien der Gattung Legionella. Beim Menschen können diese die Legionärskrankheit (eine Form der Lungenentzündung) auslösen. Legionellen können zum Problem werden, wenn sie sich massenhaft vermehren können, zum Beispiel in Wassertanks, in welchen sich die Temperatur zwischen 25-45 °C bewegt. Die Ansteckung erfolgt durch das Einatmen zerstäubter Wassertröpfchen.

Richtwerte (KBE: Koloniebildende Einheiten)

  • Empfehlung BAG 2009: 104 KBE/l Wasser

BAG-Artikel Legionellose

Hinauf zum Inhalt

Nikotin

Nikotin ist ein krebserregender Problemstoff und als Gebäudeschadstoff in Raucherwohnungen anzutreffen. Als Hauptkomponente (bis zu 90%) im Zigarettenrauch ist Nikotin selbst aber geruchslos. Dennoch ist er als Leitkomponente für die Präsenz von anderen im Zigarettenrauch anzutreffenden Stoffe anzusehen.

Leitwerte (ARGUK, Deutschland)

  • Nikotin Zigarettengeruch-Wahrnehmungsschwelle: 0.1 µg/m3
  • Nikotin hygienischer Leitwert Erwachsene: 0.3 µg/m3
  • Nikotin hygienischer Leitwert Kinder: 0.3 µg/m3

AGÖF: Zigarettenrauch im Innenraum

Hinauf zum Inhalt

PAK

Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sind organische Verbindungen, welche aus zwei oder mehr aromatischen Kohlenstoffringen bestehen. PAK sind natürliche Bestandteile von Öl und Kohle. Vor allem das Teer, welches aus der Kohle gewonnen wird, ist stark mit PAK belastet.

Wegen unterschiedlichen Eigenschaften unterscheided man niedermolekulare PAK (2–3 Ringe) und höher molekulare PAK (4–6 Ringe). Eine gut bekannte niedermolekulare PAK-Substanz ist Naphthalin (2 Ringe, C10H8). Der Geruch von Naphthalin wird schon bei durchschnittlich 2.3 µg/m3 wahrgenommen. Bei höheren Konzentrationen kann es Kopfschmerzen und Schleimhautreizungen auslösen. Da es sehr volatil ist, kann Naphthalin als ein Indikator für andere PAK-Belastungen angesehen werden.

Bekannt ist auch das höher molekulare Benzo(a)pyren (5 Ringe, C20H12), welches nicht nur im Kohleteer, sondern auch im Tabakrauch, Industrie- und Autoabgasen, sowie im gebratenem Fleisch vorkommt. Das Benzo(a)pyren wird im Körper zum karnzerogenen Benzo(a)pyren-7,8,-dihydrodiol-9,10-epoxid umgewandelt, welches sich in Zellen mit der DNS verbindet und so Tumor-suppressive Reaktionen unterdrücken kann.

Im Gebäudebereich kommen PAK in teergetränkten Isolationsmaterialien (Teerkorkdämmung, Dachabdichtungen) und Holzbauteilen (vergleiche Holzschutzmittel) sowie in Industrieböden vor. Auch ältere Asphaltbeläge können stark mit PAK belastet sein.

Grenz- und Zielwerte

  • Deutschland
    • In Trockensubstanz (in erster Linie Boden/Sediment)
      • PAK - Zielwert 1 mg/kg - Eingreifwert 40 mg/kg
  • Zielwert Naphthalin eco-bau: 10 µg/m3
  • SUVA MAK-Wert Naphthalin: 50 mg/m3 (10 ml/m3)
  • SUVA MAK-Wert Benzo(a)pyren: 0.002 mg/m3

Hinauf zum Inhalt

Nutzungsbedingte Belastungen

Bei den nutzungsbedingten Belastungen handelt es sich um Schadstoffe, welche durch die Gebäudenutzung in die Bausubstanz bzw. in den Untergrund (Altlasten) eingedrungen sind. Das Eindringen kann z.B. durch unsachgemässe Nutzung oder Unfälle geschehen sein. Im Gebäudebereich können folgende Schadstoffe angetroffen werden:

Hinauf zum Inhalt

PCB

Polychlorierte Bisphenyle (PCB) ist eine Gruppe organischer Chlorverbindungen bestehend aus einem Grundgerüst aus zwei minteinander verbundenen Benzolringen. PCBs sind chronisch giftig und potentiell krebserregend. Sie reichern sich in der Nahrungskette an und stehen in Verdacht endorkine Dusruptoren zu sein. Bei Hitzeeinwirkung entstehen polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF), persistente und sehr giftige Verbindungen. Das bekansteste davon ist das 2,3,7,8-Tetrachlorodibenzodioxin (TCDD).

Als Gebäudeschadstoff kommen PCBs in Isolierölen vor, deren Einbau aber 1986 verboten wurde. Noch immer finden sich aber alte Fluoreszenzlampen mit PCB-haltigen Vorschlatgeräten. Eine andere, offene Anwendungsart der PCBs ist als Weichmacher und Flammschutzmittel in Fugendichtungsmassen, Farbanstrichen oder als Holzschutzmittel. Seit 1972 zwar verboten, wurden PCBs bis 1975 weiterhin importiert und eingesetzt.

PCBs können aus den offenen Anwendungen an die Luft abgegeben werden und vor allem in Innenräumen zu einer relevanten Belastung führen.

Richtwerte

  • Deutschland
    • In Trockensubstanz (in erster Linie Boden/Sediment)
      • PCB - Zielwert 0.02 mg/kg - Eingreifwert 1 mg/kg
  • BAG Richtwert 2002 Daueraufenthalt: 2 µg/m3 Luft
  • BAG Richtwert 2002 8h Aufenthalt: 6 µg/mLuft

Polludoc über PCB
BAFU: PCB in Farben und Lacken

Hinauf zum Inhalt

Radon

Radon ist ein natürlich vorkommendes Edelgas, welches aus der Uran-238-Zerfallsserie entsteht und radioaktiv ist. Es kann aus dem Untergrund in Gebäude gelangen. Wird Radon eingeatmet kann durch seinen Zerfall und den Zerfall seiner Folgeprodukte das Lungengewege bestrahlt werden (vor allem Alpha-Strahlung) und bei langjähriger Belastung Lungenkrebs auslösen.

In der Schweiz sind vor allem die Regionen nördlich des Jura sowie Wallis, Graubünden und Tessin betroffen. Vor allem Gebäude welche eine undichte Gebäudehülle gegenüber dem Untergrund haben (z.B. durch Risse, Öffnungen für Kabel/Rohre, Kellerböden aus Erde und Kies) können erhöhte Konzentrationen von Radon aufweisen.

Referenz- und Zielwerte

  • Referenzwert radonexponierte Arbeitsplätze Strahlenschutzverordnung 2018: 1000 Bq/m3
  • Referenzwert Strahlenschutzverordnung 2018: 300 Bq/m3
  • Zielwert 2016 Standard Minergie-Eco Neubau: 100 Bq/m3

BAG-Webseite zu Radon
Krebsliga Schweiz: Radon (nicht aktuell)

Hinauf zum Inhalt

Schimmel

Schimmelpilze wachsen in Innenbereichen in warmer und feuchter Umgebung. Kritisch werden vor allem Bereiche angesehen, wo sich Kondens- oder Tauwasser ansammelt. Wichtige Gründe für Schimmelbildung sind:

  • Unzureichendes Lüften, bzw. unzureichender Luftaustausch (z.B. auch wegen neuen dichten Fenstern)
  • Erhöhte Feuchtigkeitsproduktion (Raumluftbefeuchter, feuchte Wäsche)
  • Wasserschäden
  • Ungleichmässige Beheizung

Gesundheitlich bedenklich sind Schimmelsporen, welche die Schleimhäute reizen oder sogar Asthma auslösen können, oder durch SChimmel produzierte Gifte, wie Aflatoxine.

Zielwerte

  • Umweltbundesamt Deutschland 2005: Sporenkonzentration max. 2x wie Aussenluft

Hausinfo: Schimmelpilz in Gebäuden
Schimmelpilze.de: Schimmelarten
Bauhygiene: Schimmeluntersuchungen

Hinauf zum Inhalt

Schlacke

Schlacke etsteht als Rückstand bei Verbrennungs-, Schmelz- oder Giessprozessen. Seit Beginn der Industrialisierung wurden Schlacken oft als Baustoff verwendet, vor allem als Isolationsmaterial (Wärme, Schall) oder als Fundation in Strassenbelägen/Sportplätzen. So finden sich Schlacken in Hohlräumen von Wänden und Böden. Auch wurden aus Schlacke Steine hergestellt, z.B. für Leichtbauwände. Typische Schadstoffe in Schlacken:

Ab 5 m3 Menge sollte die Schlacke auf PAK, Schwermetalle und TOC-400 analysiert werden. Das sind Parameter, welche bei der Entsorgung relevant sind.

Polludoc: Schlacken

Hinauf zum Inhalt

Schwermetalle

Schwermetalle ist eine nicht-wissenschaftlich definierte Gruppe von Metallen mit einer Dichte >5 g/cm3. Einige dieser Metalle sind für den Körper als Spurenelemente notwendig. Bei erhöhter Belastung können aber Erkrankungen auftreten. Die Aufnahme von Schwermetallen im Gebäudebereich geschieht hauptsächlich oral (vor allem bei Kindern durch Kinderspielzeug) oder durch die Aufnahme von belasteten Staub.

Schwermetalle und mögliche Vorkommen

  • Antimon (Sb): Flammschutzmittel, Munition
  • Arsen (As): Holzschutzmittel, Konservierungsmittel, PVC
  • Blei (Pb): Farbpigmente, alte Wasserleitungen, Stabilisatoren (Kunststoffe), Strassenstaub, Schlacke, Munition
  • Cadmium (Cd): Tabakrauch, PVC, Farbpigmente
  • Chrom (Cr): Holzschutzmittel, Farbpigmente, Leder, Tapeten, Textilien, Schlacke
  • Gold (Au): Schmuck, Elektronik
  • Kupfer (Cu): Holzschutzmittel, Farbpigmente, Leder, Wasserleitungen, Teppichböden, Schlacke, Schmuck, Elektronik
  • Nickel (Ni): Tabakrauch, Leder, PVC, Farbpigmente
  • Quecksilber (Hg): Holzschutzmittel, alte Thermometer, Farbpigmente, Leder, Kunststoffe, Textilien
  • Radium (Ra): Farbpigmente (Leuchtfarben)
  • Silber (Ag): Schmuck, Elektronik, Wasserreinigung
  • Uran (U): Mineralsammlungen
  • Zinn (Zn): Holzschutzmittel, PVC, Leder, Flammschutzmittel, Konservierungsstoffe (Textilien, Tapeten), Farbpigmente

ARGUK: Schwermetalle im Innenraum
Universität Tartu: Datenbank von organischen und inorganischen Pigmenten

Hinauf zum Inhalt

VOC

Volatile Organic Compounds (flüchtige organische Verbindungen, VOC) ist eine Sammelbezeichnung für Kohlenwasserstoffe, welche bei Raumtemperatur durch Verdampfen in die Gasphase übergehen. Die WHO unterscheided flüchtige organische Verbindungen je nach Siedebereich in 4 Gruppen:

  • Very Volatile Organic Compounds (VVOC): <0 °C bis 50-100 °C
  • Volatile Organic Compounds (VOC): 50-100 °C bis 240-260 °C
  • Semivolatile Organic Compounds (SVOC): 240-260 °C bis 380-400 °C
  • Particulate Organic Matter (POM): >380 °C

In der Schweiz definiert man VOCs als organische Verbindungen mit einem Dampfdruck von >0.1 mbar bei 20 °C oder einem Siedepunkt von <240 °C bei 1013,25 mbar. Werden alle VOCs als Summe gemessen spricht man von Total VOC (TVOC).

Zu den VOCs in der Innenraumluft können diverse Stoffe beitragen. Dazu zählen diverse Biozide (z.B. in Holzschutzmitteln), Lösungsmittel (z.B. in Reinigungsmitteln oder Klebstoffen von Möbeln oder Belägen), Duftstoffe (z.B. in Reinigungsmitteln oder Kosmetika) oder PAKs (z.B. in Teerkorkisolation). Viele diser Stoffe können bei Dauerbelastung gesundheitsschädlich wirken. Akute Symptome sind konzentrationsabhängig:

  • <0.2 mg/m3: Keine Beschwerden
  • 0.2-3 mg/m3: Reizungen möglich
  • 3-25 mg/m3: Kopfschmerzen möglich
  • >25 mg/m3: Kopfschmerzen und andere neurotoxische Wirkungen

Grenz-, Richt- und Zielwerte

  • TVOC Zielwert Minergie-Eco: 1000 µg/m3

Verein AGÖF: Innenraumschadstoffe
AMBOSS: Organische Verbindungen und Erkrankungen
Allum: Schadstoffe in der Innenraumluft
Deutschland: Bundesgesundheitsblatt Alkylbenzole
Deutschland: Bundesgesundheitsblatt Bicyclische Terpene

Hinauf zum Inhalt

Diese Webseite benutzt Cookies für Statistiken, zur Seitenoptimierung und für zielgerichtetes Marketing. Mit der weiteren Benutzung dieser Seite akzeptieren Sie den Einsatz von Cookies zu diesen Zwecken. Lesen Sie hier mehr.